Fight Club 2 – Buch 2|2

Fight_Club_II_02_Final_COV

Was hat es lange gedauert, aber nun ist es endlich soweit: Nachdem mich schon der erste Band der offiziellen „Fight Club“-Fortsetzung umgehauen hat, findet die geniale Story ihren Abschluss in der finalen Ausgabe beim Splitter Verlag.

Um diejenigen nicht zu verwirren, die das erste mal davon hören, dass es eine Fortsetzung um Tyler Durden gibt, hole ich etwas aus. 16 Jahre nach der bahnbrechenden Verfilmung und 20 Jahre nach dem Release des ursprünglichen Romans, erschien 2015 die lang ersehnte Fortführung von Chuck Palahniuk, der sich auch für das Erstlingswerk verantwortlich zeigte. Auf die Idee seine ursprünglichen Visionen weiter laufen zu lassen kam er, als er realisierte, dass die Gegenwart bezüglich ihrer fast schon dystopischen Entwicklung, die Realität seiner Figuren zu unterbieten schien. Das konnte er natürlich nicht umkommentiert lassen und griff auf eines seiner Lieblingsmedien zurück – den Comic. Dafür holte er sich den Eisner-Award-Gewinner Cameron Stewart ins Team und legte los.

Fight_club_II_02_Seite_2

©Splitter

Zehn Jahre nachdem Tylers „Projekt Chaos“ gescheitert ist, lebt der ehemals namenlose Mann hinter dem Soziopathen als Sebastian ein fast normales Leben. Pillen und medizinisches Marihuana ermöglichen es ihm einen Alltag zu bestreiten, der eine Zeit lang als unmöglich galt. Diesen teilt er sich mit der uns bekannten Marla Singer, deren Charakter immer noch durch Zigaretten und Zynismus geformt wird, die jedoch inzwischen mit ihrem Mann einen neunjährigen Sohn großzieht. So wie wir Marla jedoch kennen, wird ihr diese Konstellation auf lange Sicht zu langweilig und sie beginnt Sebastians Medizin zu präparieren, bis ihr psychopathischer Sex-Gott Tyler Stück für Stück aus der geistigen Versenkung empor steigt.

So kommt es wie es kommen muss und das „Projekt Chaos“ wird erneut aus der Taufe gehoben, während die immer noch aktiven Fight Clubs tatkräftige Unterstützung leisten und uns dabei bekannte Charaktere wie Angel Face oder Robert Paulson über den Weg laufen. Die ohnehin schon prekäre Situation erreicht ihren Höhepunkt als der gemeinsame Sohn von Marla und Sebastian von Mr. Durden entführt wird. Da beide Persönlichkeiten streng von einander getrennt sind, weiß niemand außer unser hauptberufliche Tunichtgut wo der Nachwuchs festgehalten wird. Nun bleibt nichts anderes übrig als nach dem Kind zu suchen und genau hier setzt die Handlung des Abschluss-Bandes ein, in dem Marla mit einem Haufen todkranker Kinder und jenen, die so tun als ob, die Gegend absucht und Sebastian versucht mit seinem Therapeuten seinen dunkle Seite zu unterdrücken.

Fight_club_II_02_Seite_3

©Splitter

Dabei spielt Palahniuk wieder gekonnt mit dem ihm zur Verfügung stehenden Medium. Wie ein in die Tastatur gehämmerter Mittelfinger nimmt er die Erwartungen der Leser und spuckt sie ihnen vor die Füße. Man weiß nie was auf der nächsten Seite passiert und das ist gut so. Es ist selten, dass man einen Comic in die Hand bekommt, der so gekonnt mit Selbstreferenzen umgeht und die vierte Wand durchbricht ohne dieses Stilmittel zur reinen Zierde verkommen zu lassen. So nimmt er zum Beispiel immer wieder den popkulturellen Fußabdruck des Titels und richtet ihn gegen die damit einhergehenden Konventionen. Er feiert sozusagen einen Anti-Kult des eigenen Werkes, welches trotzdem durch seinen Hauptcharakter funktioniert. Am faszinierendsten bleibt die immer deutlicher zutage tretende Aussage, dass der Schöpfer sowohl in Bezug auf die Fans seiner Arbeit als auch auf das Werk selbst, jegliche Kontrolle verloren hat. Damit gelingt es dem Autoren sowohl inhaltlich als auch vom Feeling her, eine funktionierende Fortsetzung seines wohl größten Erfolgs weiter zu spinnen aber auch eine parallele Aussage zu seiner Schöpfung auf den Punkt zu bringen, die größer geworden ist als er selbst.

Fight_club_II_02_Seite_4

©Splitter

Dabei spielt Cameron Stewart keine unwichtige Rolle. Er schafft es nämlich nicht nur die komplexe Gedankenwelt Palahniuks in Panels zu pressen, sondern nimmt sich die Freiheit diese regelmäßig zu sprengen und auch im visuellen Bereich selbstreflektiert zu agieren. Schuss- und Explosions-Geräusche werden so integriert, dass sie Einfluss auf das Verständnis des Gesagten haben und die Psychosen der Hauptfigur werden mit über die Seiten verteilten Gegenständen fast schon greifbar. Kurzum technisch auf höchstem Niveau.

Dieses wird wie beschrieben über alle Ebenen auch im letzten Band gehalten und bildet den in meinen Augen perfekten Abschluss, aus dem sich der Autor kein Hintertürchen gelassen hat und damit die Punkrock-Attitüde des Gesamtwerkes zu unterstreichen weiß. Dementsprechend gilt auch hier: Pflichtkauf!

Star Wars – Darth Vader

STARWARSDARTHVADERVADERSC_Softcover_874

Erst letzte Woche habe ich von dem eher unkonventionellen „Über“ berichtet. Ich sag nur „Nazis mit Superkräften“ und ihr wisst, was ich meine. Verantwortlich dafür war der Autor Kieron Gillen, der sich mit seinem Stoff an die für solche Releases bekannten Avatar Press wandte. Nun könnte man meinen, der gute Mann sei thematisch generell umtriebig, aber mit dieser Review sollte wohl das Gegenteil bewiesen sein.

Er ist für einen weiteren „Star Wars“ Release aus dem Hause Marvel bzw. Panini Comics verantwortlich. Genau genommen geht es um unseren asthmatischen Lieblings-Bösewicht „Darth Vader„, der seinen Namen für den Titel dieser Mini-Serie zur Verfügung gestellt hat.

Die Handlung setzt kurz nach der Zerstörung des ersten Todessterns ein und wie soll es anders sein, wenn man seinem Job nicht richtig macht: Der Chef ist eher das Gegenteil von zufrieden. Genau so läuft es auch vor einer langen Zeit, in einer weit entfernten Galaxis ab. Unser Hauptprotagonist ist nämlich in Ungnade beim Imperator gefallen, als er Luke Skywalker bei seiner Mission nicht aufhalten konnte. Da Darth Sidious darüber hinaus nicht dafür bekannt ist einfühlsam zu sein, übergibt er in der Folge einen Großteil der Aufgaben Vaders an den Großgeneral Tagge. Wir kennen jedoch den dunklen Lord zu genüge, um zu wissen, dass dieser so etwas nicht auf sich sitzen lässt. Auf dem Weg zur seinen Rehabilitierung unternimmt er im Laufe der Geschichte Reisen auf die Planeten, die Anakin Skywalker geprägt haben. Ob Tatooine oder Geonosis, überall gibt es kleine Rückblenden auf Ereignisse, die aufzeigen, dass der Lord trotz seines grenzenlosen Hasses einen menschlichen Kern besitzt.

Dabei begegnet er neben den uns schon aus den Filmen bekannten Figuren wie Jabba, samt seinen Palastbewohnern oder Jango Fett auch eine Vielzahl an neuen Charakteren, die so sicherlich nie einen Platz auf der großen Leinwand bekommen hätten, die Atmosphäre in bebilderter Form aber bereichern. Zum Beispiel findet Darth Vader in der jungen Doktor Aphra eine temporäre Verbündete, die dem Leser mit der Aktivierung zweier Killer-Droiden eine neue Facette des vorliegenden Universums bietet. Die zwei sind nämlich nicht irgendwelche namenlose Blechkisten, sondern eine Art böse Version einer R2-Einheit und eines Protokolldroiden. Im Endeffekt sehen wir, was passiert wäre, wenn das Duo vom Imperium in Beschlag genommen wäre. Immer noch irgendwo drollig und bisweilen höflich, aber immerzu für einen Mord bereit. Ein sehr schöner Gag, der immer wieder auch in die Weiterführung der Story eingespannt wird und mehr als Zierde ist um Fanboys zu befriedigen.

Ansehnlich in Bild-Form umgesetzt hat es der umtriebige Salvador Larroca, der bis dato so gut wie jeder Figur aus dem Marvel-Universum auf seinem Zeichentisch hatte und aufgrund der guten Arbeit immer noch vom Verlag kontinuierlich mit Aufträgen versorgt wird. Sein unaufgeregt realistischer Stil harmoniert dabei nicht nur in ruhigen Momenten, sondern auch bei actiongeladenen Sequenzen, aus denen die Erfahrung im Superhelden-Genre spricht. Alles in allem wird künstlerisch das Rad nicht neu erfunden, aber es bleibt eine solide Arbeit, die angenehm aufgenommen wird und die Story sogar stützt.

In diesem Sinne handelt es sich bei „Star Wars – Darth Vader“ zwar um keine legendäre Story, über die man sich in den entsprechenden Foren die Münder fusselig reden wird, aber aufgrund der vielen Verweise auf die Zelluloid-Vorlagen ist es ein Leckerbissen für jeden Fan und eine schöne Ergänzung zu den anderen Sachen aus dem neuen Marvel-Run.

 

Über: Das letzte Aufgebot – Band 1

DCBERDASLETZTEAUFGEBOT1SOFTCOVER_Softcover_806

Die Kenner unter euch haben schon sicherlich von dem Verlag Avatar Press gehört. Regelmäßige Besucher meines Blogs kennen ihn zumindest über die Besprechung des großartigen „Rover Red Charlie„. Es ist im Endeffekt die Heimat all jener kreativen Geister, die primär ihr Werk und nicht die Reaktion der Leser und Kritiker vor Augen haben. Daher haben sich schon Größen wie Alan Moore hier eingefunden um eher unkonventionelle Veröffentlichungen wie „Neonomicon“ auf den Markt zu werfen. Den meisten deutschen Lesern sollte hierbei „Crossed“ von Garth Ennis etwas sagen. Eine Reihe, die auch aufgrund ihrer expliziten Cover gerne mal geschwärzt in der Panini Preview zu bewundern ist.

Nun kommt der nächste Streich aus diesem Hause und trägt den Namen „Über„. Klingt deutsch? Das ist richtig und hat einen Grund. Es handelt sich bei der Story um eine Art „Elseworld“-Geschichte in den letzten Atemzügen des zweiten Weltkriegs. Es ist Ende April, 1945 und die sowjetischen Truppen sind im Begriff Berlin einzunehmen. Deutschland ist endlich geschlagen und Hitler steht kurz davor sich seine braune Suppe aus dem Kopf zu blasen. Soweit, so bekannt. Nun kommt der Punkt, der alles ändert. Ähnlich der Theorie was passiert wäre, wenn die Nazis zuerst die Atombombe gehabt hätten, bringt der Autor Kieron Gillen die sogenannten „Panzermenschen“ und humanoide „Schlachtschiffe“ in Stellung. Richtig gehört: Es geht um Nazis mit Superkräften, die als letzter Streich gegen die Alliierten geführt werden und damit den Lauf der Geschichte deutlich verändern. Als dann jedoch eine Agentin, die am Projekt der Supermenschen mitgearbeitet hat, sich nach Großbritannien absetzt und Churchhill dazu überredet auf die selbe Taktik zu setzen, geht der Kampf erst richtig los.

Uber2Wrap

©Avatar Press

Und genau hier verläuft der im Vorwort der Ausgabe genannte schmale Grat zwischen Experiment und Trash, aber seien wir ehrlich: Wie viel Anspruch kann eine Serie mit sich bringen, die das weiter oben genannte Thema behandelt? Das einzige worauf man bei der Herangehensweise an so ein Projekt achten muss, ist die potentielle Glorifizierung der Faschisten zu unterbinden. Offensichtlich war das Gillen auch bewusst, denn vor jedem Kapitel bzw. US-Heft gibt es einen einleitenden Text, der die Angst bei den falschen Leuten auf Zuneigung zu stoßen widerspiegelt. Diese braucht er aber definitiv nicht zu haben. Die Protagonisten werden als die Fanatiker dargestellt, die sie waren. Machtbesessene Monster, denen ein Menschenleben gerade mal so viel Wert ist, wie das Ergebnis, dem der Tod vorausgeht. Wenn da jemand Sympathien entwickeln würde, sollte man dieser Person den schnellsten Weg in die Klapse oder einen Ausflug in die nächste KZ-Gedenkstätte spendieren.

Nun könnte man argumentieren, dass es pietätlos sei über diese Zeit in der Form zu berichten und sie dem Entertainment zuliebe zu verfälschen. In diesem Zusammenhang sollte man sich aber bewusst werden, dass selbst schrecklichste Ereignisse früher oder später der Popkultur zugeführt werden. Insbesondere in der sich heute rasant entwickelnden Gesellschaft ist es nicht verwunderlich, dass auch Themen angegangen werden, die noch lebende Menschen miterlebt haben. Solange eine Distanz gewahrt wird, die die Figuren nicht zu Helden stilisiert, muss man das aushalten können.

Uber3Wrap

©Avatar Press

Aushalten wäre im Fall von „Über“ aber übertrieben. Es ist tatsächlich eher so, als würde man einen guten B-Movie ansehen, der die Handschrift eines Regisseurs wie Tarantino tragen könnte. Weniger Tiefe, Anspielungen und Genialität, die Richtung ist jedoch klar: Gewaltorgien und perverse Experimente auf allen paar Seiten wissen gut zu unterhalten ohne, dass man sich realer Gewalt oder bestimmten Ideologien zugehörig fühlen muss. Selbst wenn historische Personen auftauchen, wirkt es nicht wie eine „was-wäre-wenn“-Geschichte, sondern gibt dem Ganzen noch etwas mehr Würze. Wer würde es nicht feiern, eine der NS-Größen im Comic aufgeknüpft zu sehen?

Passend zur Atmosphäre und dem Inhalt wurde Canaan White als Zeichner angestellt. Mit seinem zum Genre passenden Stil, der plastisch von klassischen Panels bis zu Seiten füllendem Schlachtgetümmel reicht, setzt er Figuren und Hintergründe so um, wie sie sich gehören. Selbstverständlich findet man übernatürlich gestählte Körper, aber der Rutsch in irgendwelche schrägen Karikaturen bleibt nachvollziehbar (und glücklicherweise) aus. Whites Stil kann man zwar dementsprechend als „gewöhnlich“ bezeichnen, aber genau das ist der Punkt, der die Story trägt, ohne alles zu einer reinen Gewaltorgie verkommen zu lassen, die den Inhalt in den Hintergrund rückt. Dieser ist zwar nicht sonderlich komplex, aber trotzdem unterhaltsam. Man möchte wissen wie es weitergeht, was die Nazis für Trümpfe in der Hinterhand haben und wie die Alliierten ihnen einen Riegel vorschieben können. Alles in allem also wie ein Trash-Movie-Abend mit Kumpels und Bier.

Uber4Wrap

©Avatar Press

Ob das dem eigentlich ernsten Thema gerecht wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wenn aber jemand „Inglourious Basterds“ ansehen konnte, ohne Schnappatmung zu bekommen, der wird auch hier auf seine Kosten kommen. Am Ende bleibt der Fakt, dass es einer dieser Releases ist, den man objektiv höchstens von der Machart beurteilen kann. Ich für meinen Teil fand „Über – Das letzte Aufgebot“ sehr unterhaltsam und freue mich auf die Fortsetzung, die hoffentlich auch ihren Weg nach Deutschland findet.

Star Wars – Chewbacca

STARWARSSONDERBANDCHEWBACCASOFTCOVER_Softcover_616

Trotz des Umstands, dass mit dem Release des siebten Star Wars-Films „Das Erwachen der Macht“ das sogenannte Expanded Universe für nichtig erklärt wurde, befriedigt Marvel bzw. Panini Comics immer noch den Hunger der Fans nach Geschichten außerhalb der Kinoleinwand. So begann mit der Storyline „Skywalker schlägt zu“ ein gänzlich neues Kapitel im Bereich der Comics, welches mit immer mehr Auskopplungen weiter gesponnen wird. Dabei handelt es sich aber nicht, wie man eventuell vermuten könnte, um Ereignisse nach der Original Trilogie, sondern oftmals um Nebenstränge, die ein neues Licht auf bekannte Ereignisse werfen.

Dazu gehört definitiv auch „Chewbacca“ von Gerry Dugan („Deadpool“, „Hulk“) und Phil Noto (der gefeierte Zeichner von „Black Widow“). Beide lassen den pelzigen Co-Piloten von Han Solo nach der Schlacht von Yavin (also nach dem Erstling von 1977) auf einem vom Imperium okkupierten Planeten stranden. Dort versucht er zunächst sein Schiff flugfähig zu machen um sich wieder der Rebellion anzuschließen. Dabei hat er aber die Rechnung ohne das Mädchen Zarro gemacht, dem die Flucht aus der Sklaverei gelang. In diese musste sie sich mit ihrem Vater begeben um angebliche Schulden bei einer zwielichtigen Gestalt zu begleichen, die eine Mine zum Abbau organischen Materials für Blaster betreibt. Um ihren Vater zu retten braucht die Kleine aber natürlich Hilfe, die sie bei unserem Lieblings-Wookie sucht.

Da Chewbacca einst selbst ein Sklave war (wovon wir in Rückblenden erfahren), stimmt er nach anfänglichem Zögern zu und macht sich mit Zarro bereit zum Angriff. Doch als das Imperium plötzlich auftaucht, wird die Sache doch etwas komplizierter als gedacht…

Gerry Duggan schafft es diesen Plot trotz der offensichtlichen Einschränkungen in Bezug auf Chewies Gesprächsmöglichkeiten einen unterhaltsamen Plot zu spinnen, der zwar keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt, aber trotzdem zu unterhalten weiß. Vor allem Verweise auf die Kontinuität lassen Star Wars-Fans regelmäßig strahlen. Zum Beispiel wird endlich geklärt warum der Hauptprotagonist bei der Zeremonie am Ende von „Eine neue Hoffnung“ keine Medaille um den Hals trägt. Das müsst ihr aber schon selbst raus finden, damit ich hier keine Spoiler posten muss!😉

Phil Notos tut sein Übriges um die Stimmung in gewohnt hochklassige Panels umzusetzen. Das besondere ist jedoch, dass ihm durch Chewbaccas im Normalfall nonverbale Kommunikation ebenfalls die Rolle eines Autoren zukommt, der in Bildern die Gefühlslage oder Aussage der Figur vermitteln muss. Das schafft er entsprechend seines Niveaus mit Bravour und setzt parallel angenehm sanfte Farbelemente ein, die das gesamte Werk etwas von der Masse der Franchise-Veröffentlichungen abheben.

Als Fazit kann man daraus ziehen, dass diese abgeschlossene Mini-Serie vermutlich keine allzu großen Spuren hinterlassen wird, da die Handlung doch etwas beliebig erscheint, aber dabei trotzdem nie langweilig wird. Insbesondere die erwähnte Aufklärung um eine seit Jahrzehnten gestellte Frage, sollte vermutlich für viele Fans die Kaufentscheidung erleichtern. Es ist in diesem Sinne kein Must-Have aber durchaus eine tolle Ergänzung für den geneigten Sammler!

Batman Megaband 2 – Über den Dächern von Gotham

BATMANMEGABAND2_Softcover_413

Ich bekomme öfter zu hören, dass die Welt bestimmter Comic-Figuren inzwischen so groß und kompliziert geworden ist, dass das Eintauchen in die Geschichten schlichtweg unmöglich sei. Paralleluniversen, vertrackte Beziehungen und Überschneidungen zu anderen Serien tun ihr Übriges um potentielle Leser zu verschrecken. Als langjähriger Fan genießt man zwar, dass eine Welt aufgebaut wird, die über das hinausgeht, was das weitläufige Klischee dieser Kunstform bietet, aber neue Anhänger gewinnt man damit nicht.

Glücklicherweise gibt es aber immer wieder Ausnahmen, die sowohl Kenner der Materie als auch Neueinsteiger erfreuen. So verhält es sich zum Beispiel mit dem zweiten „Batman Megaband“ mit dem Titel „Über den Dächern von Gotham“ von Panini Comics Deutschland. Hier kann man komplett ohne Vorwissen loslegen und sich die gelungene Mischung aus Action und Grusel einverleiben. Grusel? Ja, richtig gehört! Die 12 in sich abgeschlossenen Storys bieten auf über 300 Seiten teilweise ziemlich starken Tobak. Themen wie Kannibalismus oder Kindesmissbrauch wurden im Laufe der letzten Jahre zwar ab und zu angeschnitten, aber in so einer expliziten Form habe ich sie zumindest in Gotham City nie gesehen. Diesen Punkt verbuche im Übrigen unter einem positiven Aspekt! Die düstere Grundstimmung des Charakters wird durch solche Tricks im Bereich Storytelling umso mehr unterstrichen. Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall froh, dass seit den 80er Jahren ein gewisser Trend zur dunklen Seite des Menschen (mit einigen Ausnahmen) zu einem Standard umfunktioniert wurde.

So werden zum Beispiel Geschichten wie „Ohne Sünde“ primär Batmans Beinamen „Mitternachtsdetektiv“ gerecht, die eine spannende Krimi-Handlung ausbreiten und den Leser bis zum Schluss im Unklaren um die Absichten der einzelnen Figuren lassen. Ein weiteres Highlight wäre „Anpassung“. Auf wenigen Seiten tauchen wir in ein „was wäre wenn“-Szenario ein, welches direkt Bezug auf die Ereignisse um „The Killing Joke“ macht und ein mehr als überraschendes Ende bereit hält. Trotzdem gibt es Momente, die aus den dunklen Wolken heraus brechen und die Stimmung etwas auflockern können. Zum Beispiel gibt es entsprechend der titelgebenden Figur in „Dr. Quinns Diagnose“ Momente zum schmunzeln und mit „Ich hasse es, wenn er das macht“ einen kleinen Ausflug in Bruce Waynes Reisen als Jugendlicher auf der Suche nach sich selbst.

In diesem Sinne liegt mit dieser Auswahl aus der „Legends of the Dark Knight“-Reihe ein gelungener Cocktail vor, der jedem schmecken sollte, der sich auf den dunklen Rächer einlassen möchte oder schon mit ihm verbunden ist. Es gibt kaum Hänger und optisch keinen Totalausfall, was natürlich auch an den hochkarätigen Machern wie Rafael Albuquerque, Tim Seely, Peter Milligan, Tom Mandrake oder Charles Soule liegt.

Als Fazit sehe ich keinen Grund bei diesem dicken Schmöker nicht zuzugreifen und freue mich persönlich auf den nächsten Release aus der Megaband-Reihe!

Neue Harry Potter-Geschichten im Herbst!

Carousel_-_Hogwarts_Guide_FINAL

©Pottermore

Wie über Pottermore, der offiziellen Plattform rund um den beliebtesten Zauberlehrling der Welt verkündet wurde, erscheinen im Herbst ganze drei Kurzgeschichten-Sammlungen exklusiv als eBooks!

Im Detail finden wir ab dem 6. September folgendes:

Hogwarts: An Incomplete and Unreliable Guide

Hier taucht man in die Zauberschule Hogwarts und ihre Eigenarten ein. So erfahren wir mehr über die Hausgeister oder was passiert, wenn der sprechende Hut sich nicht für eine Zuteilung entscheiden kann.

Short Stories from Hogwarts of Power, Political and Pesky Poltergeists

Es werden die dunklen Wurzeln der Zauberwelt erforscht. Genau genommen werden die Schwierigkeiten beleuchtet, denen sich das Zauberministerium stellen musste. Außerdem werden die Schrecken von Azkaban beschrieben und ein komplett neues Kapitel um Horace Slughorn eingeführt.

Short Stories from Hogwarts of Heroism, Hardship and Dangerous Hobbies

Schlussendlich finden wir eine Geschichte um den Lehrer für die „Pflege magischer Geschöpfe“ Silvanus Kettleburn, sowie eine Abhandlung über Minerva McGonagall und ihre Beteiligung am zweiten Zauberkrieg.

Na, wer holt sich auch gleich am ersten Tag das gesamte Paket?🙂

Harley Quinn Anthologie

HARLEYQUINNANTHOLOGIE_Hardcover_966

Vor Kurzem habe ich von meinen Eindrücken zum neuen DC-Universe-Ableger „Suicide Squad“ berichtet und hoffe euch Lust auf mehr gemacht zu haben. Um sich dabei richtig auf den Streifen einstimmen zu können, gibt es selbstverständlich auch etliche Releases aus dem Stamm-Medium der im Film gezeigten Figuren.

Panini Comics bringt neben vielen Ausgaben, die die Charaktere in regelmäßige Abenteuer schicken (Suicide Squad, Harley Quinn und all die mit ihnen verwobenen Geschichten) auch klassische Kost heraus, die Leser an den jeweiligen Protagonisten heranführen soll. Zum Beispiel gibt es „Mad Love“ aus der Feder von Paul Dini und Bruce Timm, welches die die Ursprungs-Geschichte von Jokers Flamme beleuchtet. Ein vor allem außergewöhnlicher Vorgang, da sie zunächst in der beliebten Fernsehserie „Batman – The Animated Series“ ihr Debüt gab und erst im Nachhinein Fuß in den bunten Heftchen fassen konnte. Daran sieht man, dass Harley zu den jüngeren Charakteren bei DC gehört. Erst Anfang der 90er erblickte sie das Licht der Welt, während ihre Mitstreiter und Feinde schon mehrere Dekaden auf dem Buckel hatten.

Trotzdem hat sich im laufe der Jahre ein üppiger Katalog an Eskapaden der Clown-Prinzessin angehäuft, der neben eigenen Solo-Serien auch aus in sich geschlossenen Storys verschiedener Länge besteht. Um hierbei nicht den Überblick zu verlieren und trotzdem möglichst viele Facetten der Figur aufzeigen zu können, hat Panini Comics die „Harley Quinn Anthologie“ veröffentlicht. Damit wird offensichtlich, dass der Verlag eine eigene Reihe verfolgen möchte, der schon eigene Versionen zu Batman und dem Joker vorausgingen. Schon jetzt ist die nächste Zusammenstellung angekündigt worden, die sich mit Flash befassen wird.

Aber hier dreht sich ja erstmal alles um unsere liebste Psychopathin. Und dabei wird deutlich wie wandlungsfähig diese Figur ist, wenn sie durch die Hände der prominenten Autoren und Zeichner wandert. Von naiv-dämlich über nachdenklich bis dauerhaft tödlich ist wirklich alles dabei. Wenn man die vergleichsweise kurze Lebensspanne gegenüberstellt, wirkt der Umstand noch imposanter. Ob nun malerischer Strich oder Film-Noir-Touch samt fehlendem Dialog – dieser Harlekin scheint immer reinzupassen. Vor allem ist es der Tatsache zu verdanken, dass Storys außerhalb der monatlich fortgesetzten Kontinuität sich nicht an bestimmte Regeln halten müssen. So findet man sogar „alte“ Versionen von Harley samt Narrenkappe, die nach dem Neustart („New 52“) erstellt wurden. Das Ganze wird als Sahnehäubchen sogar durch einen Abstecher in unsere Welt bzw. in das Comic-Mekka „San Diego Comic-Con“ abgerundet. Trotzdem bleiben die klassischen Motive, die sie ausmachen durchgehend erhalten: Ihre Besessenheit von „Mr. J“, ihre Hass-Liebe zu Poison Ivy oder das Wechselspiel von Selbstreflexion und Wahnsinn – hier wird der gesamte Cocktail von Legenden wie Jim Lee, Bruce Timm, Charlie Adlard, Sam Kieth oder Darwyn Cooke aufgetischt.

Es darf entsprechend des gerade omnipräsenten Themas auch ihr Verhältnis zur Suicide Squad nicht unter den Tisch fallen gelassen werden. Dem wird vor allem durch die Optik der neueren Storys Rechnung getragen, in denen Harley die Vorlage für Margot Robbies Darstellung bietet. Zwar sind dem Format entsprechend keine längeren Geschichten oder die relevantesten Einschnitte in Harleys Biografie zu finden, aber dafür genügend eingeschobene redaktionelle Texte, die auf weiterführende Literatur hinweisen und damit den Reste-Charakter einer „Comic-Anthologie“ gekonnt umschiffen.

Somit ist die „Harley Quinn Anthologie“ nicht nur ein guter Einstieg für Neulinge, sondern ebenfalls eine feine Ergänzung für Sammler und Liebhaber der Figur! Ich habe jedenfalls jede Geschichte für sich genossen und kann den Band als Ganzes weiterempfehlen!

Suicide Squad – Filmkritik

13

Was habe ich mich lange auf diesen Film gefreut! Vor allem eine neue Interpretation des Jokers hat mich neugierig gemacht, da die Messlatte nach Heath Ledgers Performance auf eine schier unerreichbare Ebene gehievt wurde. Des Weiteren wurde man schon frühzeitig mit seiner „besseren Hälfte“ in Form von Dr. Harleen Quinzel aka Harley Quinn getriggert, indem die Marketingmaschinerie gefühlt nur auf sie ausgerichtet wurde.

Aber eins nach dem anderen. Als vor wenigen Tagen das Presse-Embargo zur Berichterstattung zu „Suicide Squad“ gefallen ist, staunte ich nicht schlecht, als der Streifen regelrecht zerrissen wurde. Man warf dem Film so viel vor, dass man fast denken könnte „Batman v Superman“ sei im Vergleich ein Oscar-Favorit gewesen.
Ihr könnt euch denken, dass ich in diesem Zusammenhang mit einem flauen Gefühl Richtung Kino-Saal marschiert bin und innerlich flehte, dass das DC-Universum nicht frühzeitig komplett gegen die Wand gefahren wird.

Nun kann ich aber nach gestern Abend durchaus eine Entwarnung aussprechen. Ich gehe zwar gleich noch im Detail auf die Stärken und Schwächen ein, kann aber vorausschicken, dass ich die teils sehr harsche Kritik nicht nachvollziehen kann. Es ist nicht der ganz große Wurf, auf den so mancher (inklusive mir) gehofft hat, aber eine Enttäuschung ist es definitiv auch nicht.

Die meisten werden schon anhand der Trailer herausgefunden haben, worum sich der Plot dreht. Nachdem Superman nach seiner Auseinandersetzung mit Doomsday („Batman v Superman“) gestorben(?) ist, fragt sich die US-Regierung wie sie auf kommende Meta-Wesen reagieren soll. Was wäre wenn der nächste Mann aus Stahl einfach in das Weiße Haus fliegt, sich den Präsidenten schnappt und die Macht übernimmt?
Um solchen Fällen vorzubeugen stellt die eiskalte Amanda Waller (Viola Davis) eine Gruppe mit besonderen Fähigkeiten zusammen, die auf selbstmörderische Missionen (daher der Titel des Films) geschickt wird, um Feinde ihres Kalibers auszuschalten. Da sie durch die Bank zu den „bösen“ gehören, werden ihnen bei Erfolg einige Jahre im Knast erspart und bei Misserfolg der Tod in Aussicht gestellt. Da die Regierung dabei jeden Einfluss bestreitet, hat sie auch nichts zu verlieren.

Im Detail wird mit Deadshot (Will Smith) einer der meistgesuchten Auftragskiller,
mit El Diablo (Jay Hernandez) ein ehemaliges Bandenmitglied samt „feurigen“ Fähigkeiten und mit Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje) ein wahres Monster akquiriert. Hinzu kommt mit Enchantress eine Art Hexe, mit Captain Boomerang (Jai Courtney) ein Räuber mit besonderer Affinität zu Bumerangs (er ist Australier) und rosa Plüscheinhörnern. Das Team wird mit Katana (samt besessenem Schwert) und Jokers Flamme Harley Quinn komplett und brandgefährlich. Um diese Gang unter Kontrolle zu halten, wird ihnen der Elite-Soldat Rick Flagg (Joel Kinnaman) vorgesetzt, der wie Waller jederzeit die Macht hat, das Leben der ihm Untergebenen zu beenden.

Als durch einen unglücklichen Zufall dann tatsächlich ein Meta-Wesen auftaucht, dass die Welt in den Abgrund stürzen könnte, wird die „Task Force X“ aktiviert und in den Kampf geschickt. Ab hier möchte ich aufgrund von Spoiler-Gefahren auf weitere Details zur Story verzichten und auf einzelne Dinge eingehen, die der Film wirklich gut umsetzt und natürlich auch auf jene, die ihm zurecht angekreidet werden.

Zunächst muss man festhalten, dass es bei so vielen Figuren schwierig ist, jedem Charakter eine tiefere Origin-Geschichte zu verpassen, ohne das Publikum zu überfordern oder zu viele Details auszuspielen, die keine Relevanz haben. Dementsprechend konzentriert sich der Film in dieser Hinsicht explizit auf wenige Protagonisten, denen er in Flashbacks oder kleinen Erzählungen eine Herkunft spendiert, die durch eindeutige Verweise auf den Comic-Ursprung bei Fans punkten sollte. Das dieses Thema nicht in epischer Breite transportiert werden kann, empfinde ich nicht unbedingt als schlecht, da insbesondere Smith und Robbie durch ihre schauspielerische Leistung den Figuren automatisch eine Tiefe verleihen, die nötig ist um ihnen ihre Motive abkaufen zu können. Insbesondere die Darstellung Harley Quinns ist so mitreißend, dass ich überzeugt bin sie in einem der kommenden Batman-Filme als gleichwertige Gegenspielerin an der Seite des Jokers wiederzusehen. Zeitgleich sorgt sie mit Smith für einige lustige (!) Momente, die ein bisschen die Atmosphäre auflockern ohne dabei zu sehr in die Comedy-Ecke wie Marvel zu rutschen. So wird eine gewisse Balance gehalten, die der letzten DC-Veröffentlichung gefehlt hat. Auch ihre Mitstreiter mit etwas weniger Screentime wie Captain Boomerang, überzeugen in soweit durch ihre Ausstrahlung, dass ein weiteres Eintauchen in ihren Charakter nicht obligatorisch ist.

Apropos Joker und Screentime. Euch brennt es bestimmt schon unter den Fingernägeln zu erfahren, wie unser Lieblings-Clownprinz des Verbrechens rüber kommt und ihr werdet wohl leicht überrascht sein. Es kommt mir vor, als hätte sich eine ganze Generation an Ledgers punkiger Version festgeklammert und dabei ausgeblendet, dass diese Figur schon 75 Jahre und vermutlich genauso viele Veränderungen durchgemacht hat. Ich erinnere nur zu gerne an Jack Nicholson mit seiner 20er-Jahre-Gangster-Attitüde, der so rein gar nichts mit dem Freak samt geschnitztem Grinsen zwei Dekaden später zu tun hat. So verhält es sich auch mit Jared Leto, der zwar zeitlich so nah an Ledger dran ist, dass er sich dadurch Vergleiche gefallen lassen muss, aber trotzdem eine eigenständige Kreation hervorbringt. Ihr müsst ihn euch als eine Art exzentrischen Mafia-Boss vorstellen, der durch seine offensichtlichen Psychosen völlig unberechenbar und brutal agiert. Zeitgleich ist er nicht mehr das personifizierte Chaos, welches nur Spaß an Zerstörung hat, sondern ein Krimineller, mit Connections, Geld und Macht in der Unterwelt. Seine Stimme scheint einem dabei zwar vertraut zu sein, aber Gestik und Mimik transportieren ein frisches Feeling, welches man in der Fassung (zumindest in einem Film) noch nicht kennen lernen durfte. Leider dürft ihr auch nicht erwarten wahnsinnig viel von ihm zu sehen, da er nicht der Hauptantagonist, sondern eine der vielen Nebenfiguren ist. Stellt euch also besser drauf ein, ihn erst bei einem der nächsten DC-Streifen wirklich in Aktion zu erleben.

Nun kommen wir zu den eigentlichen Problemen, an denen „Suicide Squad“ krankt. Es sei vorangestellt, dass der Film trotz allem durchgehend unterhaltsam ist aber – nun, ja – auch nicht mehr. Leider wurden aufgrund der zahlreichen Interviews und vielversprechenden Trailer Erwartungen geweckt, die so nicht erfüllt werden können. Es fühlt sich daher so an, als stecke eine Menge Potential in dem Projekt, welches nicht genutzt wurde. Es fängt schon bei der Frage an, warum explizit diese Gruppe ausgewählt wurde, während eine schwer bewaffnete Elite-Einheit zur Verfügung steht, aber nur zur Eskorte genutzt wird. Darauf aufbauend muss man sagen, dass Knarren ein großes Thema des Films sind, aber in so einem Ausmaß genutzt werden, dass die Action auf der Leinwand die Handlung zu erdrücken scheint. Quasi das Bedienen eines Klischees über Helden (oder in diesem Fall Bösewichte) in Strumpfhosen im Sinne einer hirnlosen Klopperei. Klar sieht es bei der Marvel-Konkurrenz diesbezüglich ähnlich aus, aber durch eine humoristische Grundstimmung kommt man nicht in die Versuchung mehr darin erkennen zu wollen. DC versucht langsam eine eigene Linie zu finden, die auch schon anvisiert ist, aber noch nicht mit festem Schritt betreten wurde. Entweder die Macher einigen sich darauf eine reale Tiefe ohne künstlichen Pathos zu injizieren oder sie müssen sich einfach darauf besinnen, dass ein Großteil ihres Publikums vermutlich nie einen Comic in der Hand gehalten hat und durch das Marvel-Franchise gepolt wurde (Mid-Credit-Scene bei BvS vermisst?). Man sieht, dass langsam Kompromisse in diese Richtung gefunden werden, aber eine konsequente Umsetzung noch fehlt. Ich gehe davon aus, dass es genau der Grund ist, warum die letzten beiden DC-Universe-Filme einige grobe Schnitzer aufweisen. Der Versuch einen Spagat zwischen Mainstream-Superheldenkost und destruktiv-düsterem Zeitgeist zu schlagen funktioniert einfach nicht so wie geplant. So wirkt vieles etwas gehetzt, Erklärungen für bestimmte Handlungsweisen bleiben teils auf der Strecke und die Auflösung von Konflikten scheint arg vorhersehbar. Darüber hinaus glaube ich, dass das Publikum einfach noch nicht bereit ist auf den Realismus der „The Dark Knight„-Trilogie verzichten zu wollen. Meta-Wesen, cartooneske Outfits und Dialoge passen in meinen Augen wie die Faust aufs Auge, wenn man bedenkt, dass der Ursprung all dieser Figuren und Geschichten im Comic liegt. Trotzdem musste auch ich mich im Laufe der Zeit daran gewöhnen, dass alles nicht mehr in der uns greifbaren Welt, sondern in einer bizarren Version vorhanden ist. So wirkt vieles zunächst unwirklich überspitzt und damit befremdlich. Es ist also höchste Zeit sich auf diesen neuen Look einzustellen, der uns noch mindestens bis in das Jahr 2020 erhalten bleibt.

Trotz der geäußerten Kritik bleibt „Suicide Squad“ ein solider Action-Film, der an manchen Stellen wirkt wie die Vorlage für etwas größeres (Stichwort: Joker), aber trotzdem für sich alleine genossen werden kann. Der größte Fehler, den man dahingehend feststellen kann ist, dass er einfach nicht dem gigantischen Hype gerecht wird, der langsam in Fahrt geriet und am Ende sogar fast zur sagenumwobenen Rettung des DC-Universe stilisiert wurde. Seht ihn als Puzzle-Stück, welches unvoreingenommen durchgehend zu unterhalten weiß und tatsächlich Lust auf die kommenden Jahre mit diesen Figuren macht.

Carnage – Blutrausch

CARNAGE1_Softcover_290

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich über den 90er-Re-Release von „Maximum Carnage“ berichtet. Ein eher durchwachsenes Werk, welches zwar visuell überzeugen konnte, aber durch Dialoge, die zum Fremdschämen einluden, faktisch gegen die Wand gefahren wurde.

Der Popularität des titelgebenden Antagonisten tat es jedoch keinen Abbruch. Durch regelmäßige Auftritte in Haupt- und Nebenserien, erfreute uns der von einem Symbionten befallene Irre immer wieder aufs Neue mit seinen Eskapaden. Da „Carnage“ so gut wie alles mitbringt, was einen psychopathischen Gegenspieler ausmacht und auch optisch etwas her macht, verwundert es fast schon, wie lange es gedauert hat bis er seine eigene Reihe spendiert bekommen hat.

In dieser (in den USA immer noch laufenden Serie) bildet die Geschichte „Blutrausch“ den fulminanten Auftakt. Hier wird dem flüchtigen Irren durch das FBI, John Jameson (Der Sohn von J.J. Jameson) und Eddie Brock („Venom“) eine Falle gestellt, indem eine Überlebende seines ersten Massenmords als Köder genutzt wird. Dabei wird er in eine alte Mine gelockt, die mehr zu sein scheint, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Zeitgleich bildet sie den perfekten Ort um Schrecken zu verbreiten, welcher nicht nur vom mordlüsternen Killer ausgeht.

Diese Konstellation verdanken wir Leser übrigens keinem Unbekannten. Als Autoren konnte man den legendären Gerry Conway gewinnen, der sich als Erfinder von „The Punisher“ verdient gemacht und in den 70ern auch das Marvel-Aushängeschild „Spider-Man“ in Abenteur gestürzt hat. Außerdem war er verantwortlich für einen der ersten Annäherungsversuche zu DC Comics, der mit dem Crossover „Superman vs. the Amazing Spider-Man“ (1976) besiegelt wurde. Man merkt der Story jederzeit die Souveränität des Machers an, die er sich in den letzten Dekaden zu Eigen gemacht hat. Zeitgleich scheint zwar auch ein gewisser Zeitgeist durch, den man insbesondere gegen Ende der Geschichte als „cheesy“ bezeichnen könnte, aber alles in allem tut es der durchgehenden Unterhaltung keinen Abbruch. Es ist zwar keine Handlung, die auf Jahre hin Aufsehen erregen könnte, aber die Fans mit Leichtigkeit zufrieden stellen kann.

Das liegt nicht zuletzt an der grandiosen visuellen Umsetzung durch den Tausendsassa Mike Perkins. Fans kennen ihn als Künstler hinter der Stephen King-Adaption „The Stand“, der ersten homosexuellen Hochzeit der „X-Men“ (bzw. im generellen Mainstream-Comic-Universum), sowie einigen „Captain America“-Titeln. Im vorliegenden Fall bleibt er zwar dem Superhelden-Genre treu, geht aber einen eher „malerischen“ Weg, der den Figuren (vor allem „Carnage“ selbst) eine ganz eigene Aura verleiht. Hier merkt man wie viel Spaß es gemacht haben muss, all die schlingenden Teile des Symbionten in den Panels zu verteilen und dabei eine ganz eigene Dynamik frei zu setzen. Im Endeffekt ganz die Klasse, die man von dem Mann erwartet, der jedoch eine neue Nuance beigemischt wird.

Als Fazit lässt sich ziehen, das es sich bei „Carnage – Blutrausch“ um extrem unterhaltsame und optisch ansprechende Comic-Kost handelt, die zwar das Rad nicht neu erfindet, aber auch nicht den Anspruch hat mehr zu sein als „Entertainment“.

Deswegen kann ich guten Gewissens jedem ans Herz legen mal reinzublättern und sich selbst ein Bild von der Ausgabe zu machen. Ich kann sie nur empfehlen!

The Circus. 1870s-1950s

circus_book_hc_bu_int_3d_45462_1602151202_id_1033812

Wir leben in einer Zeit, in der unsere Sinne mit Reizen überflutet werden, jede erdenkliche Form des Entertainments zur Verfügung steht und so etwas wie Langeweile kaum aufkommen kann. Wir sind es gewohnt den Fernseher anzuschalten, die neuesten viralen Hits auf YouTube zu checken und kontinuierlich Zugriff auf einen unendlichen Fundus an Wissen im Internet zu haben.

Es ist nicht wirklich lange her, als die von mir aufgezählten Dinge in den Bereich der Phantasie verbannt worden wären. So etwas wie die Freizeit-Gesellschaft hat sich erst nach dem zweiten Weltkrieg entwickelt, als die Wirtschaft einen weltweiten Aufschwung erlebte und die Arbeitszeit in vielen Bereichen reduziert werden konnte. Davor galt man mit den ersten Fernsehern und Radios als privilegiert, hatte aber trotzdem nur ein recht übersichtliches Programm, auf welches man zugreifen konnte. Das was man heutzutage als Entertainment bezeichnen kann, wurde insbesondere ab der Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Begriff „Zirkus“ zusammengefasst.

preview_xl_circus_02_0803261123_id_144853

Hier konnte man einer wilden Mischung aus Museum, Tierschau, Akrobatik und Absonderlichkeiten begegnen, die man vielleicht aus Erzählungen kannte, sich aber jeglicher Vorstellungskraft entzog.  Man sah Künstler und Artisten, die einen so bleibenden Eindruck hinterließen, dass ihr Legendenstatus Jahrzehnte weiter strahlte. Tiere von denen man noch nie etwas gehört hatte, standen nur wenige Meter entfernt in der Manege während ihre wagemutigen Dompteure sie zu Kunststücken anstachelten, bei denen einem die Luft weg blieb. Alles in allem also ein Erlebnis, welches eine solch unvergleichliche Außenwirkung nach sich zog, dass zwangsläufig ein Massenphänomen daraus entstehen musste, an dessen Höhepunkt die Zelte mit so vielen Menschen gefüllt waren, wie bei heutigen Stadion-Konzerten. Insbesondere in Amerika, dem Schoß der Popkultur, konnte man den Zirkus beim Gedeihen beobachten. Mit der kommerziellen Nutzung der Eisenbahn ab den 1870er Jahren begann diese besondere Erfolgsgeschichte auf dem neuen Kontinent und konnte nur ab den 1950ern durch das Aufkommen der Unterhaltungsindustrie, sowie die damit einhergehende Verbreitung von Fernsehgeräten gestoppt werden. Dieser goldenen Ära hat die Autorin Linda Granfield in Zusammenarbeit mit dem Zirkushistoriker Fred Dahlinger Jr., sowie der Herausgeberin Noel Daniel  mit dem Buch „The Circus. 1870s-1950s“ ein gigantisches Denkmal beim TASCHEN-Verlag gesetzt. Genaugenommen kam vor Jahren ein für den Verlag üblich opulenter Band heraus, dessen Größe und Qualität sich in einem entsprechenden Preis spiegelten. Nun wurde dieses Buch glücklicherweise in die Bibliotheca Universalis überführt. Hier findet man eine kompaktere Version zu einem demokratischen Preis von gerade mal 14,99€ (Wir reden im vorliegenden Fall von 888 Seiten!).

preview_xl_circus_05_0803261124_id_144883

Dabei wird neben dem bewährten Prinzip kommentierter Bilder aus Archiven und Privatsammlungen, viel Wert auf die Historie allgemein gelegt. So kriegt man nicht nur einen Einblick in das Privatleben der Artisten, das Geschäft hinter der Fassade oder in gewaltigen Promo-Strategien der jeweiligen Zeit. Es werden einschneidende Erlebnisse wie der große Zirkusbrand vom 6. Juli 1944 in Hartford beleuchtet, die Entwicklung der großen Dynastien erklärt und die Ursprünge der jeweiligen Kunstform detailliert ausgebreitet. Zeitgleich wird bei all der Informationsfülle der Spagat zum Entertainment geschlagen. So bleibt die Lektüre durchgehend spannend und interessant, ohne zu sehr in Details zu versinken. Die eben erwähnten Bilder, die einen gleichwertigen Hauptaspekt des Werks bilden, tun ihr Übriges um den Leser in faszinierende Welten fallen zu lassen, die es durchgehend schaffen, das Lebensgefühl dieser eingeschworenen Gemeinschaften und das Treiben drum herum zu vermitteln.

Solltet ihr wie ich von der surrealen Welt des Zirkus und ihrer Bewohner fasziniert sein, gibt es wohl kaum ein vergleichbares Buch, welches im Bereich der Populär-Literatur sowohl qualitativ als auch quantitativ an „The Circus. 1870s-1950s“ heranreicht, euch zeitgleich dazu motiviert das nächste bunte Zelt in eurer Stadt zu besuchen, dort den süßlichen Geruch von Pocorn und Theaterschminke zu inhalieren und sich wie in alten Zeiten verzaubern zu lassen.

preview_xl_circus_08_0803261124_id_144903